W15: Chronifizierung als Beziehungsgeschehen: Hypnose in der Behandlung persistierender psychosomatischer Beschwerden
Persistierende psychosomatische Beschwerden entstehen nicht allein durch biologische oder psychische Faktoren, sondern auch in wiederkehrenden Beziehungs- und Kommunikationsmustern. Symptome können Aufmerksamkeit, Nähe, Kontrolle und Hilflosigkeit regulieren und sich dadurch im Kontakt mit Behandelnden und Versorgungssystemen stabilisieren.
Der Vortrag versteht Chronifizierung als rekursives Beziehungsgeschehen. Klinische Hypnose bietet einen Zugang zu den dabei wirksamen impliziten Erwartungen, Körpererfahrungen und Interaktionsmustern. Durch fokussierte Aufmerksamkeit, Imagination und therapeutische Beziehung können rigide Symptomdeutungen gelockert, Selbstregulation gefördert und neue Handlungsspielräume eröffnet werden. Anhand klinischer Beispiele werden hypnotherapeutische Interventionen bei chronischen Schmerzen und funktionellen Körperbeschwerden vorgestellt. Zugleich werden Risiken wie Symptomfixierung, passive Heilungserwartungen und unbeabsichtigte Verstärkung chronifizierender Beziehungsmuster diskutiert.